Boldwill Kleidung · Netherlands
Die ersten drei Shirts überlebten die Wäsche nicht
Bei Boldwill beginnt Sportkleidung beim Stoff: Erst steht fest, woraus er besteht, wie er gestrickt ist und wie schwer er fällt, dann kommt der Schnitt. Erik und Ashkan führen die Marke von Den Haag aus.
Die Vision war klar: plastikfreie Sportbekleidung. Zwei Jahre lagen zwischen der Idee und dem ersten Produkt. Das Ergebnis waren drei T-Shirts, die die erste Wäsche nicht überstanden: Danach waren sie sieben Zentimeter kürzer – was in etwa dem Unterschied zwischen einem T-Shirt und einem Crop-Top entspricht. Kein großartiger Start, doch gerade die mangelnde Erfahrung in der Bekleidungsbranche half ihnen dabei, mutige Schritte zu wagen. Anstatt bestimmte Materialien von vornherein auszuschließen, fragten sie sich: Warum nicht einfach mal probieren?

Zuerst der Stoff, dann der Schnitt
Am Anfang steht nicht die Zeichnung, sondern das Material. Woraus ein Stück besteht, wie es gestrickt wird und wie schwer es fallen soll, ist entschieden, bevor jemand einen Schnitt zeichnet. Erst danach wird der Stoff dazu gesucht oder eigens entwickelt, und der Schnitt richtet sich nach dem, was dieser Stoff kann. In der Branche laufe es meist umgekehrt, sagt Ashkan Hashemzadeh. Bei den PF47-Shorts liegt das Ergebnis offen: ein Stoff, der nur für dieses eine Stück gemacht ist, 54 Prozent TENCEL Lyocell und 46 Prozent TENCEL Modal, Bündchen aus Naturkautschuk und Bio-Baumwolle, Etiketten aus Bio-Baumwolle, Drucke mit Farben auf Wasserbasis.

Am deutlichsten zeigt sich diese Reihenfolge am Nähgarn. Steht auf einem T-Shirt 100 Prozent Baumwolle, ist damit der Oberstoff gemeint und nicht das Garn, das ihn zusammenhält; dieses Garn ist in der Branche meist Polyester und wird selten ausgewiesen. Im Datenblatt der PF47-Shorts steht an dieser Stelle 100 Prozent TENCEL Lyocell, dieselbe Faser wie im Stoff. Boldwill ist 100 Prozent transparent.

Wo Plastik noch bleibt
Ganz ohne Plastik geht es nicht, und die Marke schreibt das selbst auf ihre Seiten. Leggings, Sport-BHs, Socken und wärmende Schichten brauchen Dehnung und Formstabilität, die Naturfasern nach Angaben der Marke bisher nicht hergeben, und Kunstfaser kommt nur dorthin, wo es nichts anderes gibt. Die Marke gibt an, dass 95 Prozent der Kollektion plastikfrei sind. Letztendlich sind sie jedoch echte Pioniere: So haben sie beispielsweise die weltweit ersten vollständig plastikfreien Sportsocken aus Baumwolle und Naturkautschuk entwickelt, die genauso gut halten wie Elasthan. Von zwei Freunden ohne jegliche Erfahrung in der Branche zu Vorreitern auf der Suche nach 100 % plastikfreier Sportbekleidung.

Die Fasern nehmen kaum Geruch an, also rät die Marke: seltener waschen, an der Luft trocknen.




























