3QUARTERS Accessoires · Athens, Greece
Drei Farben, die geblieben sind
Etwa zwei Jahre brauchten Garyfalia Pitsaki und John Pitsakis, bis sich der Stoff alter Rettungsinseln verarbeiten ließ. Dann beschlossen sie, dass es nicht ständig neue Farben braucht.
3QUARTERS arbeitete noch mit einem anderen Stoff, als die Geschwister um 2024 eine griechische Firma kennenlernten, die Rettungsinseln für Fähren wartet und ausmustert. Die Leute dort machen diese Arbeit seit rund fünfzig Jahren, und was mit den ausgedienten Exemplaren geschehen sollte, wussten sie selbst nicht. Sie luden die beiden ein. Bei dem Besuch sah John eine Rettungsinsel, die in mehrere Räume unterteilt ist und auch umgedreht noch schwimmt.
Auf der Fähre liegt jede Rettungsinsel zusammengepackt in einer weißen Tonne. Im Winter werden sie der Reihe nach heruntergeholt, aufgeblasen, geprüft und wieder verpackt. Was bei 3QUARTERS ankommt, wurde allein wegen des Alters ausgemustert, und soweit John weiß, war keine dieser Rettungsinseln je im Einsatz. Dem Stoff sieht man die Jahre nicht an, sagt er.

Was eine Rettungsinsel hergibt
Die Rettungsinseln kommen mit Seilen verschnürt in Containern, und drei oder vier solcher Container haben die beiden übernommen. Jede Rettungsinsel wird in Stoff, Seile, Leitern und alles Übrige zerlegt, oft ohne Bauplan. Die schwarzen Außenteile kleben auf dem orangefarbenen Stoff. Beim Ablösen bleiben Spuren, die man an vielen Taschen sieht. Die Reißverschlüsse werden nicht wiederverwendet, nach so vielen Jahren auf einer Fähre sind sie meist unbrauchbar. Auch die roten Gurte fallen weg, sie sind in Wahrheit Einstiegsleitern.
Der Stoff wird von Salz, Staub und Abgasen befreit und jedes Teil mit sehr scharfen Messern von Hand zugeschnitten. Auf gewöhnlichen Nähmaschinen brachen immer wieder die Nadeln, genäht wird deshalb auf schweren Maschinen mit Spezialnadeln. Fachleute für diesen Stoff gab es nicht. Man habe sich einfach mehr Zeit genommen, sagt John. Die Werkstatt liegt in Psyri, und wer vorbeikommt, darf zusehen.

Jede Farbe hatte ihren Platz
Orange stammt vom Zeltdach, dem Teil, den man über dem Wasser sieht, ein weicher, matter und leichter Stoff, der ein wenig nachgibt. Schwarz kommt vom dicken, sehr festen Schlauch ganz unten, der im Meer liegt, und dehnt sich kaum. Gelb stammt aus den Wassertaschen, Säcken voller Löcher, die volllaufen und die Rettungsinsel so am Kippen hindern. Dieser Stoff ist fast immer zerknittert, und die Falten lassen sich nicht herausbügeln. Oft sind auf dem Stoff noch Verbindungsstreifen und Seriennummern zu sehen.

Ein Satz im Schaufenster
In den ersten zehn Jahren nähte 3QUARTERS aus Markisenstoff von Athener Balkonen, nach weniger als zehn Grundmodellen, und keine Tasche glich der anderen. Der Stoff kam damals auf Rollen aus den Lagern der Markisenbauer. Auch den Namen erklärt John mit den Markisen: Der Balkon gegenüber ist zu drei Vierteln von einer einfarbigen Markise bedeckt. Die Kundschaft fragte aber immer wieder nach einer Tasche, die sie schon einmal gesehen hatte, nach der blauen vom letzten Jahr.
Im vergangenen Winter entschieden sich Garyfalia und John gegen die endlose Auswahl. Seitdem gibt es die Taschen in Gelb, Schwarz und Orange, dazu etwas Weiß und Rot, und mehrere Farben an einer Tasche kombinieren sie bewusst nicht. Für John zeigt jede Farbe, wie sehr jemand auffallen möchte.
Im Schaufenster ihres Ladens steht der Satz „you don't need this bag“. Entstanden ist er, weil Leute fragten, ob sie die Tasche wirklich brauchen. John verneinte, und die meisten kauften sie trotzdem.

Die Werkstatt repariert Taschen kostenlos und zerlegt sie, wenn nichts mehr hilft, wie die Rettungsinseln.




























