Margherita Bojola kommt aus der Luxusmode. Heute führt sie Studio Bojola. 2020 gründete sie die eigenständige Marke, über die sie seither direkt verkauft, ohne Zwischenhändler, damit die Werkstätten weiter zu tun haben. Gegründet hatte das Studio 1983 ihr Vater Luca Bojola, Designer für Keramik, Licht und Luxusobjekte, bekannt vor allem für seine Stücke aus Halbedelsteinen.
Als die Aufträge ausblieben, fuhr Margherita Bojola zu den Werkstätten, die das Studio schon kannte. Was dort im Archiv lag, alte Formen und Modelle, war der Anfang der eigenen Marke.
In der Werkstatt in Empoli lagert ein Archiv: alte Formen und Stiele, dazu Gussformen aus den 1950er Jahren. Dort beginnt jedes Stück von Studio Bojola. Man wählt eine vorhandene Form und entscheidet, was daran anders werden soll, und aus einem großen Stück wird dabei auch mal ein sehr kleines, wenn nur ein Detail davon bleiben soll. Angefangen hat es damit, dass 2019 der Markt für Luxusdesign am Golf wegbrach, in dem das Studio gearbeitet hatte. Dann kam die Pandemie, und den Werkstätten fehlte die Arbeit. Margherita Bojola fuhr selbst zu den Werkstätten, mit denen das Studio schon gearbeitet hatte, sprach mit den Leuten dort und fragte, was sich noch machen ließe. 2020 stand ihr erster Prototyp, und im selben Jahr entstand die eigenständige Marke Studio Bojola.
Kristall statt Glas
Die Werkstatt arbeitet seit 1945 in feinem Kristall. Auf Kristall kam das Studio, weil Glas zerkratzt, bricht und sich kaum ein zweites Mal bearbeiten lässt. Das Studio erklärt das mit dem Bleianteil: Kristall lasse sich dagegen weiter schneiden und schleifen. Ausgewiesen sind 24 Prozent Blei nach der Norm EN 69. Geblasen wird mit dem Mund, in die originalen gusseisernen Formen der Werkstatt.
Triff Margherita
Danach wird von Hand geschnitten, gebohrt und graviert, die Gravur mit diamantbesetzten Werkzeugen.
Diese Arbeitsweise gilt nicht nur für Kristall. Im Chianti bei Florenz arbeitet das Studio mit Ceramiche Ceccarelli, einer Werkstatt in dritter Generation, und nimmt auch dort die Modelle aus dem Archiv als Ausgangspunkt für die Serie Natura Naturante.
Der Rest im Schmelztiegel
Nach dem Blasen bleibt Kristall im Schmelztiegel zurück und erstarrt dort zu Scherben mit scharfen Kanten.
Seit 2023 werden sie einzeln geschliffen und wie Steine gefasst, in vergoldetes und rhodiniertes Metall, und daraus entsteht Schmuck.
Für das Studio ist das schönste Material der Kristallherstellung ausgerechnet der Rest, den sonst niemand verwendet. Zu sehen ist das alles in Florenz, in der Via Palazzuolo 135R, dienstags bis samstags. Im Schaufenster stehen Kristall und Keramik nebeneinander.
Aus den Gussformen der 1950er Jahre kommen die Stücke von heute.