Rucksäcke, Taschen und Geldbörsen aus Fischfuttersäcken, Zementsäcken und Museumsfahnen—handgefertigt in sozialen Werkstätten in Kambodscha und Wien.
Vienna · Austria
Sissi Vogler
“Damals hatte ich keine Ausbildung im Bereich Taschendesign, aber ich hatte eine Vision: aus „Abfall“ etwas Wertvolles zu schaffen.”
REFISHED macht aus gebrauchten Säcken und ausgedienten Ausstellungsfahnen Taschen, genäht dort, wo das Material herkommt: die Säcke in Phnom Penh, die Fahnen in Wien. Sissi Vogler wuchs in Salzburg auf und hatte sich eine Karriere in der Werbung aufgebaut, mit Stationen in Neapel, Mailand, London, Sydney und New York, Wochen mit sechzig bis siebzig Stunden, bis sie kurz vor dem Burnout kündigte. Auf einer Reise durch Kambodscha Ende 2011 ließ sie die ersten Muster aus gebrauchten Zementsäcken nähen, gründete das Label 2012 in Wien und baute es fünf Jahre lang neben einem Vollzeitjob im Marketing auf, bevor es ihre einzige Arbeit wurde. Ihre Mutter Isolde Vogler entwirft die Taschen mit ihr.
REFISHED macht Taschen aus gebrauchten Säcken und ausgedienten Ausstellungsfahnen. Gefertigt wird immer dort, wo das Material herkommt: die Säcke in Phnom Penh, die Fahnen in Wien, wo Sissi Vogler das Label 2012 gegründet hat.
Die Säcke kommen im Zehnerpack von Märkten in Kambodscha und werden gereinigt, bevor irgendetwas zugeschnitten wird. Bedruckt wurde jeder für den Zweck, den er einmal hatte, Reis, Zement oder Fischfutter, und weil kein Aufdruck dem anderen gleicht, gleicht auch keine Tasche der anderen. Auf den Produktseiten steht es nüchtern: Der Aufdruck kann bei jedem Stück anders ausfallen.
Ich hatte damals keine Taschen-Design-Ausbildung, aber ich hatte eine Vision: aus 'Abfall' etwas Wertvolles zu schaffen.
In Phnom Penh näht eine soziale Werkstatt die ersten Kollektionen #CEMENT und #FISH von Hand. Auf dem Etikett steht, wer das Stück genäht hat, mit Unterschrift, dazu Ort und Material. Die Produktseiten nennen die Namen: Put Sophea, Mom Sreyneth, Ol Heang, Khuon Sithat, Meas Than, Sok Nak.
Die Fahnen bleiben in Wien
#FLAGS folgt demselben Prinzip wie alles bei REFISHED: Produziert wird am Ort des Materials. Die Kollektion entsteht aus gebrauchten Ausstellungsfahnen vom Bank Austria Kunstforum Wien und vom Belvedere, genäht wird deshalb in Wien, in einem Stadtbahnbogen. In den Produktnamen sind die Ausstellungen noch zu lesen, Flying High, Pierre Bonnard.
Entworfen wird ebenfalls in Wien, von Sissi Vogler gemeinsam mit ihrer Mutter Isolde Vogler, einer Salzburgerin mit Textilausbildung. Die ISOLDE BAG, angelehnt an die Kelly Bag, ist Isoldes Entwurf und trägt ihren Namen. Auch Firmen bringen eigenes Material: Aus einem Schärdinger-Plakat vom Wiener Westbahnhof wurden Giveaway-Taschen.
Ein zweites Leben, von Hand signiert
Von Anfang an hätte Vogler die Taschen schneller und günstiger fertigen lassen können. Sie hat sich dagegen entschieden. "Ich habe mich bewusst gegen Fabriken entschieden und eine soziale Werkstatt gesucht", sagt sie, und diese Entscheidung bestimmt bis heute alles: wo eine Tasche genäht wird, wessen Hände sie nähen, wessen Name am Ende auf dem Etikett steht. Ein Sack, der einmal Zement oder Fischfutter gehalten hat, wird gereinigt, zugeschnitten und bekommt ein zweites Arbeitsleben, diesmal als etwas, das ein Mensch jeden Tag bei sich trägt. Der SOULMATE, Strandtasche und Alltagsshopper zugleich und längst der Bestseller, zeigt noch immer den Aufdruck des Sacks, aus dem er gemacht ist.
Auf jedem Etikett stehen ein Ort, ein Material und ein Name.