VICUS Accessoires · Switzerland
Erst das Papier, dann das Leder
Marco Lazzaroni führt in Mendrisio ein Atelier ohne Maschinen. Das Schnittmuster zeichnet er auf Papier, genäht wird im Sattlerstich. Angefangen wird erst, wenn eine Bestellung da ist.
Für sein Streetwear-Label wollte er etwas aus Leder dazu, passend zur Kleidung. Er fragte einen Freund, einen Sattler, doch was zurückkam, überzeugte ihn weder in der Qualität noch im Design. Also ging er noch einmal zu demselben Freund, diesmal für ein paar Stücke Leder, kaufte Nadeln, Faden, ein Schneidemesser und eine Ahle, stellte im Wohnzimmer einen kleinen Arbeitstisch auf und machte von da an alles selbst. Das erste Stück, das dabei herauskam, war ein Kartenetui. Es war der Moment, in dem er sich in das Material Leder verliebte.
Kein Modell am Rechner
Er sieht das Stück vor sich. Dann zeichnet er das Schnittmuster auf Papier, mit Lineal, Winkel und Zirkel, und die Maße müssen auf den Millimeter stimmen. Das erste Exemplar prüft er, arbeitet es um, prüft noch einmal. Erst danach wird daraus ein Produkt. Genäht wird von Hand im Sattlerstich, ohne Maschine. Die Kanten werden geschliffen, poliert und behandelt. Das Leder ist pflanzlich gegerbt und kommt aus der Toskana. Jede Haut hat ihre eigene Zeichnung, und der Farbton fällt eben von Stück zu Stück etwas anders aus.
Leder ist ein faszinierendes Material, das die Spuren unseres Lebens aufnimmt und von Generation zu Generation das gute und edle Zeichen der Zeit und der menschlichen Geschichte zeigt.

Kein Stück auf Vorrat
Wer etwas will, bestellt es, und erst dann fängt die Arbeit an. Mendrisio, sagt er, sei eine wirklich kleine Stadt, Laufkundschaft gebe es dort kaum. Deshalb bleibt der Schauraum klein. Verkauft wird über die eigene Seite. Angewiesen sei er nur auf eines: dass sein Lieferant weiter Leder herstellt. Die Lederhülle für die minimalistischen Mobiltelefone MP01 und MP02 von Punkt entstand in seinem Tessiner Atelier, zu denselben Bedingungen wie alles andere.

Nichts entsteht an dieser Werkbank ohne Auftrag. Wer mag, kann dort ein Stück auch selbst machen.




























