HeritageModa Kleidung · Ratingen, Germany
Erst lernen, was echtes Pashmina ist
Das Material, das Deepali Nainwal einkaufen wollte, ist als Herkunftsangabe eingetragen, bis aufs Mikron festgelegt und wird an einem Institut in Srinagar geprüft. Bevor sie auch nur einen Schal kaufen konnte, musste sie lernen, woran man echtes Pashmina erkennt.
In der Branche, in der sie einkaufen wollte, kannte Deepali Nainwal niemanden, und gefälscht wird dort nach ihrer Darstellung viel. Sie arbeitete sich in drei Etappen hinein. Zuerst als Kundin auf Handwerksmärkten in Indien, bevor es die Marke überhaupt gab. Dann über Recherche im Netz und Treffen vor Ort, immer dann, wenn sie nach Indien reiste. Zuletzt über Messen, auf der Suche nach Gruppen, die verlässlich genug waren, um mit ihnen einen Vertrag zu schließen.

Was im Register steht
Pashmina ist die feinste Stufe von Kaschmir. Gekämmt wird die Faser im Frühjahr aus dem Winterunterfell der Changthangi-Ziege auf der Hochebene Changthang in Ladakh, von Hand zu Garn gesponnen und in Srinagar auf hölzernen Handwebstühlen gewebt. Kashmir Pashmina wurde 2008 im indischen Register als Herkunftsangabe eingetragen, Anmeldung Nummer 46, in der Klasse Handwerk, Inhaberin ist eine Gesellschaft in Srinagar. Die Spezifikation dahinter verlangt Pashm-Faser bis sechzehn Mikron aus dem Unterfell, von Hand gesponnenes Garn und Handweberei durch Handwerkerinnen und Handwerker aus Jammu und Kaschmir. Geprüft wird am Craft Development Institute in Srinagar. Für die Rohfaser aus Ladakh kam im Oktober 2024 eine eigene Herkunftsangabe dazu.
Was das an Zeit kostet, gibt die Marke selbst an. In dem ungefärbten, bestickten Pashmina-Schal an der Spitze des Sortiments stecken nach ihren Angaben etwa vier Monate, in den Kaschmirschals etwa drei, in einem handgefärbten Leinenschal etwa ein Monat. Das Leinen färben nach Darstellung der Marke Handwerkerinnen in Rajasthan von Hand.

Näher an die Kundschaft
Registriert hat sie die Marke zuerst in Indien. Verkauft wurde dort drei, vier Jahre lang, nach ihrer Schilderung über indische Luxus-Marktplätze und gehobene Hotelketten. Dann wurden ihr zwei Dinge auf einmal klar: Ein warmes Land sei der falsche Markt für Schals und Kimonos, und aus der Ferne lasse sich so ein Geschäft nicht führen. Also zog sie nach Deutschland, zu der Kundschaft, für die sie die Marke von Anfang an gedacht hatte.

Die Auswahl der Stücke folgt einer nüchternen Rechnung. Schals und Kimonos haben Einheitsgröße, also kommt wenig zurück. Sie sind leicht, der Versand bleibt günstig. Und Handgemachtes wird gern verschenkt. Über das Führen der Marke sagt sie, klein und kreativ anzufangen habe nicht gereicht, es brauche Prozesse und Standards dahinter. Die Geschichte vom Handwerk klinge gut, verlange aber Professionalität auf beiden Seiten, ein Vertrag bleibe es trotzdem.
Auch bei Handgemachtem braucht man ein gewisses Volumen hinter diesem Handgemachten.
Erst die Märkte, dann die Messen, dann der Vertrag.




























